Fakten und Wissenswerte zur Pflegeversicherung

Dez 01 2018

Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland beträgt heute rund 2,9 Millionen. Deren Zahl wird nach vorsichtigen Schätzungen zufolge auf über 3,75 Millionen bis zum Jahr 2030 steigen.

Die Pflegebedürftigkeit kann jeden treffen bzw. jeder kann plötzlich ein Pflegefall werden. ca. 67 % aller Männer werden zum Pflegefall und über 75 % aller Frauen.

Wann und welche Leistungen Pflegebedürftige aus der gesetzlichen Pflegeversicherung bekommen, hängt von der Dauer der Pflegebedürftigkeit, vom Pflegegrad und der Art der Pflege ab.

Daraus ergeben sich folgende Schlüsse:

  1. Durch die steigende Zahl der Pflegebedürftigen werden die Preise für einen Pflegeplatz weiter steigen

  2. Das Pflegepersonal ist heute schon bzw. die ambulanten Pflegedienste sind voll ausgebucht / ausgelastet und können den Bedarf an zu pflegenden nicht decken

  3. Die Beiträge der gesetzlichen Pflegversicherung werden in den nächsten Jahren weiterhin nach oben gehen. Noch traut sich keine Partei an dieses Thema ran, weil es zu viele Wählerstimmen kosten wurde. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre, wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung, ist zu resümieren, dass der Staat es gerne sehen würde, dass jeder Bürger eine „Private Pflegezusatzversicherung“ abschließen sollte / müsste.

Von den 2,9 Millionen Pflegebedürftigen Personen, werden heute ca. 2,1 Millionen Zuhause durch Angehörige und Pflegedienste betreut/gepflegt. Die anderen rund 800.000 Pflegebedürftigen sind in Heimen vollstationär untergebracht. Die durchschnittliche Pflegedauer Zuhause beträgt heute über 8 Jahre. Die Betroffenen möchten ihren Lebensabend in ihrem gewohnten Umfeld verbringen. Das bedeutet für die gesamte Familie nicht nur finanzielle, sondern auch körperliche und psychische Belastung. Zumal sich die Familienstrukturen verändert haben. In den meisten Familien gibt es weniger Kinder, sehr oft sind die Kinder berufstätig und können sich nicht so intensiv um ihre Eltern oder Angehörigen kümmern, wie es früher in den Mehrgenerationenhaushalten der Fall war.

Um das Leben in den gewohnten 4 Wänden fort führen zu können, deckt die soziale / gesetzliche Pflegeversicherung die anfallenden Kosten nicht ab. Die restlichen Kosten tragen die Familienangehörigen aus deren eigenen Taschen. Deshalb wird auch die gesetzliche Pflegeversicherung als „Teilkostenversicherung /Teilkaskoversicherung“ bezeichnet. Im Elften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) finden sich alle wichtigen Regelungen zur Pflegeversicherung.

An den beiden Schaubildern ist gut zu erkennen, dass bei durchschnittlicher Betrachtung von entstehenden Pflegekosten, von ca. 3500 € monatlich (in Großstädten ca. 750 € mehr Kosten / Aufwendungen) die gesetzlichen Geldleistungen nicht ausreichen. Es sollten zwischen 1250 € und 1750 € in den Pflegegraden 4 und 5 zusätzlich über eine „Private Pflegzusatzversicherung“ abgesichert werden.

Pflegesachleistungen für häusliche Pflege

Pflegebedürftigkeit in Graden Leistungen ab 01.01.2017
Maximale Leistungen pro Monat
Pflegegrad 1 *
Pflegegrad 2 689 Euro
Pflegegrad 3 1.298 Euro
Pflegegrad 4 1.612 Euro
Pflegegrad 5 1.995 Euro

 

 

 

 

Pflegegeld für häusliche Pflege

Pflegebedürftigkeit in Graden Leistungen ab dem 01.01.2017
Maximale Leistungen pro Monat
Pflegegrad 1 0
Pflegegrad 2 316 Euro
Pflegegrad 3 545 Euro
Pflegegrad 4 728 Euro
Pflegegrad 5 901 Euro

 

Pflegenotstand in Deutschland: Angst vor Pflegebedürftigkeit greift um sich

Okt 11 2018

Jeder Mensch wünscht sich, in Würde zu altern und den Lebensabend in seinen eigenen vier Wänden zu verbringen. Reportagen und Dokumentationen zu Pflegeheimen und der Pflegesituation in Deutschland leisten ihr Übriges. Die Zukunft sieht düster aus, was neben der demographischen Entwicklung auch an dem langen Ausharren und Nichthandeln der Politik liegt. **Schlechte Bezahlung: die Berufung "Pflegekraft" braucht mehr Aufmerksamkeit** Tagtäglich kümmern sich passionierte Pflegekräfte in Krankenhäusern und Seniorenheimen um das Wohlbefinden pflegebedürftiger Menschen. Wer sich für den Beruf in der Pflege entscheidet, akzeptiert die schlechte Bezahlung, zahlreiche Überstunden und eine Leistungsabforderung, die niemand auf Dauer erbringen kann. Allein beim Gedanken, die geliebten Eltern oder den Lebenspartner außer Haus pflegen zu lassen, wird den meisten Menschen übel. Für eine Intensivpflege haben Mitarbeiter/innen in Pflegeheimen gerade einmal wenige Minuten am Tag Zeit. Obwohl sie sich gerne mehr um ihre Schützlinge kümmern möchten, müssen Sie nach der Erfüllung der Grundbedürfnisse ins nächste Zimmer und in gleicher Eile die nächste Pflege vornehmen. Viel Zeit fließt in die Erstellung von Berichten und den bürokratischen Aufwand, der trotz modernster Techniken auch heute noch gefordert wird. Am Monatsende zeigt ein Blick auf den Kontostand, das sich die emotional und körperlich anstrengende Aufgabe nicht auszahlt. Wir stellen uns die Frage, warum die Politik nicht handelt und ob unsere Landesoberhäupter davon ausgehen, selbst nie alt und pflegebedürftig zu werden. In Anbetracht der Situation in der Pflegebranche ergibt sich der Anschein, dass zwar viel geredet aber nicht gehandelt wird. **Lässt sich die Spirale noch umkehren?** Immer mehr Familien beschließen, ihre Eltern oder den Partner bei Pflegebedürftigkeit zu Hause zu versorgen. Das liegt nicht nur am Wunsch der Familienmitglieder, sondern auch an der Angst, dass der geliebte Mensch in einer Pflegestation nicht richtig umsorgt wird. Schon bei der Anerkennung einer Pflegestufe und den Zuschüssen aus der Pflegekasse tauchen Probleme auf. Trotz Neuaufteilung der Pflegestufen scheint es beinahe unmöglich, ohne hohe Eigenleistung menschenwürdig und adäquat gepflegt zu werden. Mit dem ersten Tag in der Berufsausbildung zahlt jeder Mensch seine Beiträge in die Pflegekasse ein. Dennoch reicht der einbezahlte Betrag am Ende nicht für die Kosten, die sich durch die Pflegebedürftigkeit ergeben. Es besteht dringender Handlungsbedarf, der nur von Seiten der Regierung erfolgen kann. Wenn ein Mensch pflegebedürftig wird, muss er nicht selten sein Hab und Gut veräußern, um die Kosten für eine häusliche Pflege oder die Unterbringung im Pflegeheim zu finanzieren. Jeder empathische Mensch spürt den Schmerz, wenn er wahrnimmt, wie mit unseren Alten und Kranken umgegangen wird. Dabei würden sich die passionierten Pflegekräfte sehr gerne kümmern, doch ihnen fehlt durch Personalmangel in Einrichtungen und bei privaten Pflegediensten die Zeit. Mit blumigen Worten und Versprechungen ist keine Kehrwende herbeizuführen. Nur Handlungen aus der Politik können hier noch helfen und den rasant voranschreitenden Pflegenotstand in Deutschland aufhalten. Die skandinavischen Länder sind ein gutes Beispiel, wie Pflege funktionieren und umgesetzt werden kann. Durch eine adäquate Bezahlung der Arbeitsleistung zeigt sich der Beruf der Pflegekraft für junge Menschen als Perspektive. In Deutschland können die wenigsten Pflegekräfte von ihrem Einkommen leben, was bei der Berufswahl junger Menschen in die Entscheidung einfließt. Damit die Angst vor der Pflegebedürftigkeit nicht immer stärker wird, damit pflegebedürftige Menschen human und lebenswürdig behandelt werden, sind gravierende Schnitte und Veränderungen in der Pflegebranche von dringlicher und maßgeblicher Notwendigkeit. **Autor**:
Pflegetagegeldversicherung
Pflege Tester
Dipl.-Oec. B. Halili
E-Mail: info@pflegetester.de
Web: www.pflegetester.de

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